Ratgeber
Tipps und Wissenswertes

Keine Chance für Mobbing

Selbstvertrauen und selbstsicheres Auftreten schon im jungen Alter reduziert die Wahrscheinlichkeit, später ein Opfer von Mobbing zu werden, signifikant.

Täter – Opfer – Psychologie

Alle Kinder streiten sich mal oder ärgern sich gegenseitig ein bisschen. Das ist ganz normal und auch wichtig. Nur so lernen sie, wie man mit Konflikten umgeht und diese löst.
Kinder werden im Umgang mit anderen Kindern immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen ihnen etwas weggenommen wird oder ihnen aggressiv entgegengetreten wird. Beginnend im Kindergarten und sich steigernd in der Schule.

Es ist normal, dass Kinder untereinander Konflikte und Streitigkeiten miteinander austragen. Konfliktbewältigung ist ein wichtiger Teil der Entwicklung der Persönlichkeit und trägt zu Bildung des Sozialverhaltens bei.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass Jungen sich bei Konflikten eher körperlich auseinandersetzen und Mädchen eher dazu tendieren verbal, zu streiten oder zu schikanieren.
Kleinere Streitsituationen und Konflikte können sich, wenn sie nicht richtig gelöst werden, zu einem Dauerzustand im Umgang und der Stimmung manifestieren.
Die Grenze zum Mobbing wird schneller erreicht und gegebenenfalls überschritten.

Im Kindergartenalter ist in der Regel ausgeprägtes Mobbing noch kein gängiges Problem und kommt zum Glück nur vereinzelt vor. Erst ab der Grundschule spielt das Thema Mobbing eine größere Rolle.

Im Laufe des Selbstsicherheitskurses wird bei den Kindern ein Bewusstsein geschaffen für Ihr Auftreten und ihre Außenwirkung.
Die Kinder werden durch Rollenspiele und Übungen in Situationen versetzt, die Konfliktpotential haben und dazu führen können, dass aus einem Streit durch falsche Reaktionen eine ernsthafte Konfliktsituation entsteht.

Die Übung „Körpersprache“ und das Theaterstück „Körpersprache“ zielt darauf ab, den Kindern ihre Außenwirkung deutlich zu machen und ihre Bedeutung für den Umgang miteinander. Den Kindern wird dadurch aufgezeigt, dass ihr Auftreten eine große Rolle dabei spielen kann, ob sie geärgert werden, also „Opfer“ werden oder nicht.

Gemobbt werden – was ist das? Wann spricht man von Mobbing?

Als Mobbing bezeichnet man systematische und gezielte Übergriffe über einen längeren Zeitraum auf ein (zumeist) einzelnes Kind.
Das Mobbingopfer wird dabei von einzelnen oder mehreren Mobbern körperlich, psychisch oder verbal angegriffen.
Betroffene Kinder werden oftmals:

  • gehänselt, verspottet oder lächerlich gemacht
  • beleidigt und beschimpft
  • ignoriert oder ausgegrenzt
  • bedroht, erpresst oder eingeschüchtert
  • körperlich angegriffen
  • ein- oder ausgesperrt (so dass sie z.B. zu spät in den Unterricht kommen)
  • ihnen werden Sachen weggenommen oder kaputt gemacht
  • über sie werden Lügen erzählt oder Gerüchte verbreitet

Ganz egal, welcher Handlungen sich die Täter bedienen - das Opfer dieser Mobbingattacken leidet und weiß sich meistens nicht dagegen zu wehren. Dies nutzen die Mobber aus und die Situation verschlimmert sich von Tag zu Tag. Im Laufe der Zeit nehmen die schikanierenden Handlungen oft an Häufigkeit und Intensität zu.

Wichtig: Mobbing ist nicht, wenn zwei ebenbürtige und im Grunde gleichstarke Kinder miteinander streiten, kämpfen oder einen kurzweiligen Konflikt haben.

Wie entsteht Mobbing?

Die Ursachen von Mobbing sind vielschichtig und je nach Fall sehr unterschiedlich. Von Mobbing kann jeder und jede betroffen sein, egal welchen Alters, welcher Schulform. Mobbing liegen in der Regel Probleme zugrunde, die unterschiedliche Auslöser haben können. Dies sind z. B. Über- oder Unterforderung oder Selbstwertprobleme des Täters/der Täterin oder ein gestörtes Schul- oder Klassenklima.

Sicher ist, selbstbewusste Kinder werden weniger Opfer!

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen können begünstigen, ob jemand zum Opfer oder zum Täter/zur Täterin wird. Potenzielle Täter/-innen suchen bei ihren Opfern nach „wunden Punkten“, an denen das Opfer verletzbar ist, sich nicht wehren kann oder von der gängigen Norm abweicht. Wenn der Täter oder die Täterin spürt, dass den Schikanen kein Widerstand entgegengebracht wird, fühlt er/sie sich bestärkt, weitere Aktionen gegen das Opfer zu starten.

Wieso werden Kinder Täter? - Mögliche Gründe:

  • Langeweile und den Drang nach Abwechselung,
  • Abreagieren von Wut und Ärger an anderen,
  • Kompensation eigener Schwächen, Angst und Ohnmachtsgefühle durch Abwertung anderer,
  • eigene Unzufriedenheit in der Schule (Freundschaften, Leistung),
  • Weitergabe erlebten Unrechts (z. B. Gewalt in der Familie) an andere,
  • mangelnde Konfliktfähigkeit,
  • Interesse an Machtausübung und Kontrolle über andere,
  • Wunsch nach Anerkennung in der Klasse,
  • persönliche Motive, wie Konkurrenz, Neid, Fremdenfeindlichkeit u. a.,
  • eigene Erfahrung als Mobbingopfer

Wieso werden Kinder Opfer von Mobbing? – Mögliche Gründe:

  • ein geringes Selbstwertgefühl
  • Körperliche Schwäche
  • ängstlich, überangepasst und unsicher sein
  • Eine empfindsame und stille Persönlichkeit
  • erregbar, aggressiv und wenig anpassungsbereit sein
  • von der Klassennorm abweichende Merkmale (z. B. Hautfarbe, Behinderung, Gewicht, Kleidung)
  • als Außenseiter/-in, „Streber/-in“, „Neuling“ in der Klasse“ eingeordnet sein
  • etwas besitzen oder tun, das Sozialneid hervorruft (z. B. teure Kleidung, aufwendiges Hobby, neue technische Geräte)
  • Erlerntes Konflikt vermeidendes Verhalten oder Überanpassung in der Familie

Richtiges Verhalten, um Mobbing vorzubeugen

Kinder können zwar nicht kontrollieren, was andere zu ihnen sagen, aber sie bestimmen selbst, wie sie darauf reagieren. Sie können zum Beispiel versuchen nicht so zu reagieren, wie von den anderen erhofft. Also traurig, wütend oder verängstigt. Wenn Provokationen nicht den gewünschten Erfolg haben, fühlen sich die „Täter“ nicht so mächtig, wie gewünscht.
Ein Tipp kann sein, dass die Kinder sich entweder auf das konzentrieren, was sie gerade getan haben, bevor sie geärgert wurde, oder es kann auch eine Lösung sein einfach wegzugehen, wenn die Provokationen beginnen.

Sich Unterstützung holen, im direkten Umfeld z.B. Freunde, Klassenkameraden etc. oder Autoritätspersonen wie z.B. Lehrer oder Erzieher direkt um Hilfe bitte, wirkt auf Täter abschreckend und zeigt, dass man nicht allein ist und sich nichts gefallen lässt. Sofort auf Angriffe reagieren und nicht zu lange warten, ist ein weiterer wichtiger Hinweis, um eine Eskalation zu verhindern und dem Täter sofort zu signalisieren, dass man kein Opfer ist.

Die direkte Konfrontation mit dem Täter („Warum machst Du das?“ „Wieso?“ etc.), wenn sie nicht aggressiv ist, ist ein sehr gutes Mittel, um einer Eskalation vorzubeugen und das Mobbing in einem frühen Stadion unterbinden.

Woran erkenne ich, ob mein Kind gemobbt wird?

Unter Mobbing leidende Kinder trauen sich oftmals nicht, offen darüber zu sprechen. Sie haben Angst, zu "petzen" und dann noch mehr zu leiden.


Anzeichen, dass ein Kind gemobbt wird

  • das Kind will plötzlich nicht mehr in die Schule oder den Kindergarten, obwohl es vorher gerne hingegangen ist und keine anderen Gründe in Betracht kommen (wie z.B. ein Lehrerwechsel)
  • das Kind klagt oft über "seelische" Krankheiten wie z.B. Kopf- oder Bauchschmerzen
  • das Kind leidet zunehmend unter Appetitlosigkeit
  • das Kind hat häufig Schlafstörungen
  • die schulischen Leistungen fallen plötzlich stark ab
  • das Kind wird immer ängstlicher und schüchterner
  • das Kind wirkt oft niedergeschlagen und depressiv
  • das Kind ist sehr unausgeglichen und nervös oder wird schnell wütend / aggressiv
  • das Kind zieht sich immer mehr zurück und hat kaum noch Kontakt zu Gleichaltrigen
  • das Kind hat oft fehlende / kaputte Sachen oder sogar körperliche Verletzungen

Dies alles können Indizien für Mobbing sein.


Bei dem Verdacht von Mobbing gegen ein Kind, sollte zunächst das Gespräch mit dem Kind gesucht werden. Wenn sich die Befürchtungen bestätigen, sollte umgehend ein Gespräch mit Lehrer oder Erzieher gesucht werden. So werden sie in die Situation eingebunden und haben die Verantwortung eine Lösung im Rahmen ihrer Tätigkeit mit ihrer Klasse oder Gruppe zu erarbeiten.

Der Selbstsicherheitskurs bietet nicht die Möglichkeit oder den zeitlichen Rahmen eine bestehende Mobbing Problematik tiefer zu erörtern oder zu lösen.

Ein Angebot über einen Kurs mit dem Fokus Sozialtraining oder zum Beispiel ein Kurs zur Stärkung der Klassengemeinschaft kann hierbei eine sinnvolle Ergänzung sein.
Je schneller Mobbing erkannt wird, desto schneller und besser kann dem Kind geholfen werden.

Nur wenn Kinder zur eigenen inneren Stärke finden, sind sie nicht den Rest ihres Lebens auf die Hilfe und den Schutz von Lehrern oder Erziehern angewiesen. Erfahrungsgemäß wiederholen sich Mobbing-Situationen nämlich immer wieder, wenn Kinder in ihrer "Opferrolle" bleiben.


Der beste Schutz vor Mobbing ist ein starkes Selbstbewusstsein!
Selbstbewusste Kinder haben automatisch eine andere Ausstrahlung. Sie signalisieren durch ihre Haltung, ihr Auftreten und ihr Verhalten den anderen "Mit mir nicht!"

Einige Erwachsene wissen nur einen Rat: "Wehr dich und schlag zurück!"

Da gibt es doch bessere Wege. Wer Aggression mit Aggression beantwortet, steigert die Gewalt - sei es physische oder psychische - nur noch weiter. Schließlich wollen wir sozial kompetente Kinder und später auch Erwachsene und keine Menschen, die sich aufs Faustrecht berufen oder andere mobben.

Das Ziel unserer Arbeit mit den Kindern ist Konflikte und Aggressionen vorzubeugen und mögliche Auslöser früh zu erkennen und gewaltfrei zu lösen.